Das Kurhaus von 1988 bis heute: Die Sanierung 6

Festigungsversuche beim Terrazzofußboden ergaben, dass die Neueinbringung (unter Verwendung des alten Materials) kostengünstiger wäre. Aber wo den für Neuflächen nicht mehr erhältlichen Rotkalksteinwürfelbruch (aus dem Fränkischen) hernehmen?

Die meisten Steinbrüche sind aufgrund des Umweltschutzes geschlossen. Die Konservierung und der Wiedereinbau dieser Böden in den Umgängen des Zuschauerraumes haben ebenfalls fast 2,5 Jahre in Anspruch genommen. Sie wurden erst vor einem Vierteljahr fertig gestellt.

Wer kann Guss schweißen, und ist er überhaupt schweißbar? In weitem Umkreis habe ich telefoniert, um Teile, vor allem für die neu zu erstellenden Proszeniumslogen zu finden - vergebens. Ein begabter Südtiroler Schnitzer (Empfehlung der Verwaltung der Bayerischen Schlösser und Seen) baute nach Anleitung und in Anlehnung an die vorhandene Formensprache die Modelle; ein örtlicher Gießer goss dann die Teile in Aluminiumguss, und ein Augsburger Schlossermeister richtete sie, passte sie zusammen und baute sie dann nach und nach ein. Der vorstehende Satz als Beschreibung beinhaltet fast 1,5 Jahre Entwicklungszeit, das Ergebnis wird als selbstverständlich angesehen.

Ähnlich verhält es sich mit der Herstellung von verschiedenfarbigen intarsierten Sternzeugplatten, die in Deutschland nicht mehr herstellbar, geschweige denn lieferbar, sind. Solche für mich kleinen Erfolge haben zwar mit Architektur im engeren Sinne nichts zu tun, zeigen aber auf, dass doch noch gutes und solides Handwerk auf dem Markt zu bekommen ist. Es muss aber, nicht zuletzt von den Architekten, unterstützt werden. Wie wäre es wohl, wenn viele Kollegen und Ausbilder nur noch in Katalogen blättern könnten? Mit großem zeitlichen Druck wird nun das Kurhaustheater mit dem Funktions- und Flügelbau West als 1. Bauabschnitt bis zum 30. Januar 1996 fertig gestellt. Jeder hat sich bemüht und vieles ist nur dem Idealismus, auch der Unternehmer, zu verdanken. Einige der Letzten, die das Haus verlassen, werden wohl die Dekorationsmaler und Vergolder sein, die sich aber auch nicht scheuen, z.B. eine Kellertüre zu streichen. Bei den vielen restaurativen Maßnahmen, die ich bisher betreut habe, sind sie für mich das i-Tüpfelchen eines langen, langen Satzes. Allen, die mitgeholfen haben, dieses wertvolle Bauwerk wieder entstehen zu lassen, habe ich zu danken.

 

Januar 1996, Egon Georg Kunz

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