Hofrat Friedrich von Hessing und seine Anstalt 2

Da dort schnell die Kapazitätsgrenzen erreicht wurden, erwarb Hessing in Göggingen das leerstehende ehemalige Landgerichtsgebäude. (Es wurde als Priesteraltersheim errichtet). Am 30. August 1869 wurde die neue Anstalt eröffnet. Durch große Erfolge und einen umfangreichen Zustrom Heilungssuchender erweiterte Hessing seine Klinik laufend. Zunächst erwarb er die Ökonomie (ein großer Bauernhof) an der Augsburger Straße, heute Klausenberg hinzu. Dort wurde die sogenannte Milchkuranstalt eingerichtet, in der die Rachitis, eine Kalzium-Mangelerkrankung behandelt werden sollte. Auch das Kurhaus entstand dort als Unterhaltungsstätte für die Patienten, aber auch das allgemeine Publikum. Ab 1887 wird die neue große Heilanstalt an der heutigen Hessingstraße mit Wandelgängen und einer Anstaltskirche errichtet.

 

Während die damalige Schulmedizin Hessings Erfolge als „Kurpfuscherei" bezeichnete, war der Ruf seiner Heilmethoden weit in die Welt gedrungen. Bis 1903 behandelte Hessing rund 60 000 Kranke, die auch aus dem Ausland, ja sogar aus Amerika, Ägypten, Peru und Russland kamen. Dank dieses „gehobenen" Publikums konnte Hessing auch mittellose Patienten behandeln. Viele Erfindungen Hessings sind es, die heute für die Orthopädie, aber auch für andere Bereiche, erhebliche Verbesserungen und Erleichterungen schufen. So ist der Schienen-Hülsen-Apparat (Gelenkstütze und -überbrückung) eine wertvolle Hilfe bei der Erkrankung von Gelenken, wobei die Beweglichkeit und Belastbarkeit erhalten bleiben. Hessing entwickelte auch Transporttragen für Verletzte und die Grundform heutiger Touren-Rucksäcke.

 

Hessing betrieb neben der Gögginger Klinik auch noch weitere Kurstätten - So die Kuranstalt „Friedrichshöhe" bei Bad Reichenhall oder das „Wildbad" in der Nähe von Rothenburg o.d. Tauber. In Bad Kissingen und Bad Bocklet übernahm Hessing die Pachtung der Staatsbäder, die er erheblich umbaute und modernisierte. Infolge der wissenschaftlichen Anerkennung Hessings wurde ab 1896 in der Gögginger Klinik auch operativ behandelt. Die großen Heilerfolge führten endlich auch zu persönlichen Ehrungen Hessings. 1904 wurde er zum Bayerischen Hofrat ernannt und 1913 erhielt er den persönlichen Adel als Auszeichnung für seine beispielhaft geführten Bäder und Heilanstalten. Hessing starb am 16. März 1918. Sein Lebenswerk wurde in eine Stiftung umgewandelt.

 

Ortsplan von Göggingen   links: Auf dem Bild sind die Hessing'schen Anlagen in einem Ortsplan von Göggingen (um 1890) dargestellt.

rechts: Die Patienten der Hessing'schen Heilanstalt entstammten hauptsächlich dem Adel und dem kapitalkräftigen Bürgertum.
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