Dr. Uwe Gerd Schatz

Foto: Nikolas Hagele
Foto: Nikolas Hagele


  • Kunsthistoriker und Referent in der Museumsabteilung der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen
  • Autor des kunsthistorischen Kurhaus-Führers »Ein Märchenschloss aus Gold, Glas und Licht« (1998)
  • Hat als ausgewiesener Kenner des 19. Jahrhunderts das Kurhaus zu einem seiner Lieblingsgebäude ernannt

 

Herr Dr. Schatz, Sie sind dem Kurhaus schon seit der Wiedereröffnung treu verbunden.

Ich war 1991–93 Volontär beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und wurde von dem Referenten, der für Augsburg zuständig war, öfter mitgenommen. So auch ins Areal des Kurhauses. Ich erinnere mich lebhaft, dass bei meinem ersten Besuch der östliche Flügelbau noch eine traurige Brandruine war. Andere Teile, wie das Theater, waren schon weiter restauriert. Es gab viel zu besprechen, vor allem mit dem Architekten, der – wie der Referent auch – von diesem Objekt hellauf begeistert war. Das hat sich auf mich übertragen und blieb so.

 

Dabei sehen Sie als Kunsthistoriker solch ein Gebäude sicher mit anderen Augen als die meisten Theaterbesucher. Was beeindruckt Sie denn hier am stärksten?

Das ist bei mir kein spezielles Lieblingsdetail. Immer wenn ich ins Kurhaus komme, beeindruckt mich am meisten, dass es in dieser außergewöhnlich hohen Qualität wiederaufgebaut wurde. Die Maßnahme war damals nicht sonderlich populär, da das Objekt kaum im öffentlichen Bewusstsein war, und sie war sehr teuer, weil vielschichtig und kompliziert. Das alles trotzdem durchzuführen, hat politischen Mut erfordert. In diesem Fall kann man Gott sei Dank feststellen: gewagt und gewonnen!

 

Was macht das Haus so revolutionär?

Wenn etwas »revolutionär« an dieser Anlage war, dann der ganzheitliche Therapieansatz Hessings – die Heilung der Patienten sollte durch die seelische Erbauung im Kurhaus und Theater gefördert werden. Ein Konzept, dessen Ansatz ursprünglich in der griechischen Antike entwickelt und durch Hessing wiederentdeckt wurde. ass die Theateraufführungen auch öffentlich zugänglich waren, sehe ich als wirtschaftliche Erwägungen, die das Grundkonzept nicht störten. Denn nur durch kluges Wirtschaften konnte Friedrich von Hessing so viel erreichen – zum Nutzen seiner Patienten.

PARKTHEATER im Kurhaus Göggingen
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