Hans Brugger

Foto: Nik Schölzel
Foto: Nik Schölzel


  • Der Landschaftsarchitekt aus Aichach hat von 1990 bis 1998 an der Wiederherstellung des historischen Parks gearbeitet
  • Er lässt sich gerne vor der Mastleuchte fotografieren, deren originalgetreuer Nachbau eine sehr spezielle Herausforderung war
  • Und über das letzte Geburtstagsgeschenk seiner Mitarbeiter hat er sich ganz besonders gefreut: Karten für eine italienische Serenade im Parktheater

 

Wenn man heute durch unseren schönen Kurhaus-Park geht, lässt sich kaum erahnen, dass sich seine Wiederherstellung über Jahre hingezogen hat …

Anfang der 90er-Jahre, als ich dieses Gelände zum ersten Mal betreten habe, war alles total verwildert, ein einziges Fichtendickicht – das kann man sich heute nicht mehr vorstellen! Von den Voruntersuchungen über die Planungen bis zur Realisierung sind dann acht Jahre vergangen, von 1990 bis 1998. Der hintere Teil des Parks gehörte übrigens gar nicht zu dem historischen Areal; er wurde von der Stadt Augsburg dazugekauft.

 

Wie sind Sie vorgegangen?

Grundlage unserer Arbeit war ein Planungsentwurf des Kurhaus-Architekten Jean Keller, der 1888 in der »Wiener Bauindustriezeitung« erschienen ist und der die Ausrichtung der Beete, den Wegeverlauf und die Alleen zeigt. Bei gartenarchäologischen Grabungen haben wir Beet-Einfassungen und alte Wegbeläge – übrigens aus Hochofen-Schlacke – gefunden. Eine wertvolle Informationsquelle waren zudem historische Fotos, die Hinweise auf die Gestaltung des Zauns und der Mastleuchten und auch auf die verwendeten Pflanzenarten, vor allem Kübelpflanzen und Ziergehölze, gaben. Bei den Bäumen war es einfach: Was älter

als 100 Jahre war, galt als ursprünglich. In anderen Bereichen, wo keine Fotos oder Pläne vorlagen, haben wir Gartenfachliteratur des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu Rate gezogen, zum Beispiel über die damals üblichen Staudenpflanzungen.

 

Welche besonderen Schwierigkeiten gab es?

Die größte Herausforderung war, möglichst original historisch zu arbeiten, aber gleichzeitig auch die Anforderungen unserer Zeit zu beachten. Es galt, Fragen des Naturschutzes und Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen. Kanäle, Leitungen und Schächte sollten unauffällig integriert werden, die Feuerwehrzufahrt mit einer vorgegebenen Mindestwegbreite und die Befahrbarkeit mit schweren Lastwagen mussten gesichert sein. Und das Gelände sollte wegen des Theaterbetriebs abschließbar sein. Bis hin zu dem Detail, dass die Gestaltung der Parkbänke proportional verändert werden musste, weil die Menschen heute größer sind als im 19. Jahrhundert. Ach ja, und der Wegbelag besteht heute aus unbedenklichem Basalt-Korn.

PARKTHEATER im Kurhaus Göggingen
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